"Die verkaufte Braut"

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Musikschul-Oper

Schon bei nüchterner Probe geht das voll zu Herzen

RAVENSBURG – Seit 1984 sind die Opernaufführungen der Musikschule Ravensburg Glanzpunkte der regionalen Musikkultur. Jetzt ist „Die verkaufte Braut“ von Friedrich Smetana unter der Gesamtleitung von Musikdirektor Lutz Eistert im Konzerthaus an der Reihe.

Von unserer Mitarbeiterin Marianne Blöchinger

Mitreißende Klänge des böhmischen Komponisten steigen aus dem Orchestergraben. Musikdirektor Eistert gibt den Ton an. Nach der intensiven Probenwoche in einem österreichischen Jugendgästehaus geht es nun um die Gesamtwirkung. Das wunderschöne Opernpaar steht an der Tür und wartet: „Wir singen, wenn man uns lässt.“ Die Sopranistin Leila Trenkmann und der Tenor Ulf Gloede sind das Liebespaar der Komischen Oper von Smetana. Die verkaufte Braut Marie und ihr Hans kämpfen sich gleich mit allen Raffinessen durch die verwickelten Interessen einer Dorfgemeinschaft.

„Leila, es geht los!“ Ouvertüre und erste Szene, alles einmal durch. Kuno Falk und Nicolette Eistert sitzen mitten im leeren Zuschauerraum: „Wir sind die Regie.“ Die Partituren vor sich, verfolgen sie höchst aufmerksam das Musikdrama. Die Dorfbevölkerung fehlt noch, der Chor kommt erst heute Nachmittag. Insgesamt zählt das Ensemble 150 Mitglieder. Neben der Musikschule sind die Chorgemeinschaft Grünkraut und der Singkreis Ravensburg, Leitung Ulrich Niedermeier, beteiligt, außerdem wirkt die Flipptruppe des TV Weingarten mit.

„Kannst du mir schwören, dass du nur mich liebst?“, fragt Marie. Hans schwört. Schon im nüchternen Licht eines grauen Samstagmorgens geht das voll zu Herzen. Unklar ist noch, inwieweit die Stimmen verstärkt werden müssen. Durch den offenen Orchestergraben wird die Akustik beeinträchtigt. Kuno Falk testet die Wirkung von den hinteren Reihen aus.

Mit Kuno Falk und dem Bühnenbildner Peter Kohler arbeitet Lutz Eistert schon seit 1972 zusammen, damals für das Rutentheater. Die freundschaftlichen Verhältnisse beleben die kreative Zusammenarbeit: Kritische Töne werden nicht gescheut, denn sie kommen von Herzen. Ein Loblied singt der Musikdirektor auf die Theatermeister des Konzerthauses, Claus Rathgeb und Toni Pfuhl: „Die machen alles!“ staunt er. „Und weit über den normalen Dienst hinaus opfern sie ihre Zeit.“

 

Probenarbeit schweißt zusammen

 

Die einwöchigen Probenaufenthalte, diesmal in Österreich, schweißen auch die jungen Musiker zusammen und schleifen vorhandene Starallüren ab. Das Jugendsinfonieorchesters der Musikschule ist wohl eines der Besten und nicht zuletzt eine Leistung der hervorragenden Musiklehrer, urteilt Eistert. Für die meisten Jugendlichen dürften die Opernaufführungen ein einmaliges Erlebnis bleiben.

„Hören Sie uns?“, ruft der Konzertmeister auf die Bühne. Er will wissen, ob die Sänger Kontakt zum Orchester haben. Marie stellt besorgt fest, dass sie über ihren Liebsten wenig weiß. „Woher ich komme? Das ist Vergangenheit“, singt Hans gekonnt. Das war zu flach, zu schnell, beanstandet die Regie einmütig. Der einfältige Wenzel tritt mit großem Feldblumenstrauß auf und nähert sich Marie. Mit seinem Talent für Komik verkörpert Lothar Riehmann den gefährlich gutgläubigen Rivalen, verströmt Wohlklang und strahlt vor Treuherzigkeit.

Förderverein trägt Risiko

„Das ist Kultur vor Ort“, erklärt Eistert, wie sie das Oberhaupt der Stadt Ravensburg sich wünscht. Nur die Hauptsolisten wurden eingekauft. Das finanzielle Risiko des Opernunternehmens trägt der Förderverein der Musikschule unter seiner Vorsitzenden Ingeborg Mauch-Frohn. Die Sponsoren sind: die Firma Coperion Waeschle, die Kreissparkasse, die Stadt Ravensburg, der Landkreis, die Schwäbische Zeitung und die Familie Selinka, die den „Ravensburger Musikpreis“ heuer an die Opernproduktion der Musikschule Ravensburg vergibt.

Lutz Eistert steht am Dirigentenpult im Orchestergraben. Das viel versprechende Paar auf der Bühne sind die Sopranistin Leila Trenkmann und der Tenor Ulf Groene. Foto: Marianne Böchnger

Die Premiere ist am Sonntag, 25. September, weitere Aufführungen am Mittwoch, 28., Freitag, 30. September, Samstag, 1. und Sonntag, 2. Oktober, jeweils ab 19 Uhr im Konzerthaus. Kartenvorverkauf bei der Tourist Info Ravensburg, Telefon (07 51) 8 23 24, bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet unter www.oper-ravensburg.de